03.05.2021

Maria Schweigl, Klas­sen­leh­re­rin 2. Klasse

Lernt die neue Klassenlehrerin der nächsten 1. Klasse kennen! Wir haben ihr einige Fragen zu ihrer Person und ihrem Erleben der Waldorfpädagogik gestellt. Zudem erzählt sie uns, wie der Schuleinstieg in der Waldorfschule gestaltet wird.

Wie hast du zur Waldorfpädagogik gefunden?

Jana: Als mei­ne Kin­der die Wal­dorf­schu­le besuch­ten, war es mir des Öfte­ren ver­gönnt, im Unter­richt dabei zu sein. Ich merk­te sofort, so muss ler­nen stattfinden!

So wuchs in mir der Wunsch, selbst wie­der Kin­der zu unter­rich­ten und tie­fer in die­se Päd­ago­gik ein­zu­tau­chen. In den drei Stu­di­en­jah­ren zur Wal­dorf­leh­re­rin durf­te ich eine Schul­klas­se beglei­ten. Mei­ne Lie­be zur Wal­dorf­päd­ago­gik wuchs immer mehr und schlug tie­fe­re Wurzeln.

Was ist für dich das Herz der Waldorfpädagogik?

Das Herz der Wal­dorf­päd­ago­gik schlägt für mich deut­lich beim Men­schen selbst. Es steht das Kind im Mit­tel­punkt: wo kommt es her, was sind sei­ne Bega­bun­gen, wo steht es momen­tan in sei­ner Ent­wick­lung und wie kann ich ihm unter­stüt­zend zur Sei­te stehen.

In der Wal­dorf­päd­ago­gik führt der Weg eines jeden Unter­richts vom Tun, über das Erle­ben, zum Erken­nen der Welt. Es ist eine Ent­fal­tung von Kopf, Herz und Hand glei­cher­mas­sen. So kann sich das Kind die Welt zu eigen machen und lernt sie zu begreifen.

Was erwartet eine erste Klasse in der Schule?

Das Schul­kind ist bereit sich ande­ren Men­schen in einer Gemein­schaft ver­trau­ens­voll anzu­schlies­sen. Es wer­den gute Gewohn­hei­ten ange­legt und der Gemein­schafts­sinn durch schö­ne Erleb­nis­se gepflegt. Im gemein­sa­men Tätig sein kön­nen sich die Kin­der selbst bewundern.

Der Unter­richt beginnt mit einer rhyth­mi­schen Ein­stim­mung, die die Kin­der geschickt und wach macht. Dar­auf fol­gen eine kur­ze Geschich­te und der prak­ti­sche Unter­richt. Am Ende wird in der 1. Klas­se ein Mär­chen oder eine sin­ni­ge Geschich­te erzählt. Die­ser Erzähl­stoff schenkt den Kin­dern mora­li­sche Bil­der, ohne zu mora­li­sie­ren. Gleich­zei­tig wecken sie das Inter­es­se für die Welt, die das Kind umgibt. In den Mär­chen spre­chen Tie­re, Flüs­se und Pflan­zen, dies ent­spricht sehr den Phan­ta­sie­kräf­ten des Kindes.

Die erste Epo­che ist dem For­men­zeich­nen gewid­met. Der Umgang mit der Linie ist ein päd­ago­gi­sches Mit­tel, das dem Bewe­gungs­drang des Kin­des, wel­ches vom Spiel­al­ter in das Lern­al­ter hin­ein wächst, ent­ge­gen­kommt. Die Lini­en sind mit­ein­an­der in Bewe­gung, das Kind voll­zieht dies inner­lich mit sei­nem Kör­per nach. Zeich­net ein Kind eine Gera­de von unten nach oben, erlebt das Kind noch­mals die Auf­rich­tung, das Ste­hen zwi­schen Him­mel und Erde. Zeich­net es sie von oben nach unten, ist das Erle­ben wie ein Licht­strahl, der durch es hin­durch geht.

Dar­auf fol­gen eine Schreib- und eine Rechenepoche.

Jeg­li­cher Unter­richt ist künst­le­risch aber zugleich geist­reich durch­wo­ben und bie­tet dem noch jun­gen Schul­kind genü­gend Mög­lich­kei­ten sei­nem Bewe­gungs­drang gerecht zu werden.