In der heu­ti­gen Zeit ist es beson­ders auf­fäl­lig, wie schwer vie­len Kin­dern der Über­tritt in die Schu­le fällt. Oft kön­nen sie sich weni­ger kon­zen­trie­ren und haben weni­ger Aus­dau­er. Auch im sozia­len Ver­hal­ten unter­ein­an­der herrscht ein gros­ser Mangel.

For­schun­gen im Bereich der Neu­ro­bio­lo­gie, der Ent­wick­lungs­psy­cho­lo­gie sowie auf päd­ago­gi­scher Ebe­ne haben gezeigt, dass ein star­ker Zusam­men­hang zwi­schen aus­rei­chen­der Bewe­gung und dem mensch­li­chen Ler­nen besteht. Vie­le Kin­der haben wich­ti­ge moto­ri­sche Ent­wick­lungs­schrit­te nicht voll­zo­gen und wei­sen so spä­ter in der Schul­zeit gewis­se Lern­schwie­rig­kei­ten auf. 

Das “beweg­te Klas­sen­zim­mer” wirkt dem ent­ge­gen und ermög­licht den Kin­dern ein Nach­rei­fen. Zudem schult das beweg­te Klas­sen­zim­mer die Team­fä­hig­keit, die sozia­le Kom­pe­tenz der Kin­der sowie deren Krea­ti­vi­tät und die Inno­va­ti­ons­freu­de. Damit sich die Kin­der gut bewe­gen kön­nen, wer­den spe­zi­el­le Möbel benö­tigt, Bän­ke, die man zum Balan­cie­ren sowie auch zum Sit­zen in der Kreis­form benut­zen kann, Kis­sen als Sitz­mög­lich­keit aber auch um sie in einen Bewe­gungs­par­cours ein­zu­bau­en, ein gros­ser Tep­pich, der auch weg­ge­rollt wer­den kann und unter dem sich Lern­ma­te­ri­al befin­det und klapp­ba­re Tische, wel­che schnell zusam­men­ge­klappt wer­den kön­nen, um sie an den Rand des Klas­sen­zim­mers zu stel­len. Die­se Möbel ermög­li­chen es,  schnell und unkom­pli­ziert den Raum für die jewei­li­ge Lern­si­tua­ti­on umzu­ge­stal­ten. Des wei­te­ren braucht es auch spe­zi­el­le Lern­ma­te­ria­li­en wie ein Tau, Turn­mat­ten, Jon­glier­bäl­le und Säck­chen, ein ABC- Rie­sen­wür­fel, gros­se Tast- und Lege­buch­sta­ben, ein Ein mal Eins Tep­pich, eine Hüpf- und Rechen­spi­ra­le und vie­les mehr.

Ich habe bereits vier Jah­re an einer Wal­dorf­schu­le in Deutsch­land mit dem Modell des beweg­ten Klas­sen­zim­mers gear­bei­tet und konn­te mich über­zeu­gen, wie gut sich die Kin­der ent­wickel­ten. Sie waren in der Lage sich sehr gut zu kon­zen­trie­ren, lern­schwä­che­re Kin­der konn­ten ihre Lern­hür­den durch vie­ler­lei Bewe­gungs­an­ge­bo­te über­win­den. Das Sit­zen in der Kreis­form ermög­lich­te ein gegen­sei­ti­ges Wahr­neh­men und för­der­te so das sozia­le Mit­ein­an­der. Gleich­zei­tig war ein kon­zen­trier­tes Ein­füh­ren und Üben des neu­en Unter­richts­ge­gen­stan­des mög­lich. So ist es mir ein Anlie­gen, die­ses Unter­richts­kon­zept auch in der Wal­dorf­schu­le Liech­ten­stein zu etablieren.

Ich haben im August 2021 mit der ersten Klas­se im beweg­ten Klas­sen­zim­mer gestar­tet und es ist ein gros­ser Erfolg.

Jana Brüg­ge­mei­er, Leh­re­rin 1. Klasse