Spätestens im Herbst soll der Spatenstich für einen Erweiterungsbau auf dem Schulgelände im Äscherle in Schaan stattfinden. Noch im März wird der Bauantrag eingereicht. «Wir wollen aus Kostengründen in drei Modulen bauen», sagt Erik Kuhnel, Präsident des Vereins der Liechtensteinischen Waldorfschule. Pro Modul sind zwei grosse Räume geplant, die als Klassenzimmer, Werkraum und Mensa genutzt werden. Im Sommer 2018 soll das neue Schulgebäude bezogen werden können.

Die Baukosten werden sich auf rund eine Million Franken belaufen. Für die Finanzierung aller drei Module fehlen allerdings noch Spendengelder von rund 300 000 Franken. Durch den Neubau können die Schulklassen von 15 auf 20 bis 25 Schüler vergrössert werden. Heute besuchen 104 Kinder die Waldorfschule. Im Angebot stehen Spielgruppe, Kindergarten, Primarschule und Oberstufe bis zum neunten Schuljahr. Steht der Neubau, kann die Schülerzahl auf bis zu 150 Kinder ansteigen.

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In Zukunft soll Matura möglich sein

«Der Lehrplan der Schule geht bereits heute bis zur Matura. Weil eine Oberstufe mit mehr Unterrichtseinheiten allerdings teurer ist als eine Mittelstufe, können wir diese derzeit bei 10 bis 15 Kindern pro Klasse einfach noch nicht finanzieren. Deswegen müssen wir nun erst den Raum für grössere Klassen bauen und dann daran arbeiten, dass jede Familie sich den Bildungsweg aussuchen kann, den sie sich für ihre Kinder wünscht», erläutert Erik Kuhnel die Ziele der Waldorfschule. Damit Eltern bei der Wahl der Waldorfschule nicht auf finanzielle Hürden stossen, wurde kürzlich auf eine neue Beitragsregelung umgestellt, die das Schulgeld dem Einkommen der Eltern anpasst. 

 

«Es soll keine Wartelisten geben»

Ausbau Die Waldorfschule Liechtenstein wächst: Auf dem bestehenden Gelände in Schaan soll ein Erweiterungsbau realisiert werden, um die Klassen vergrössern zu können. Geplanter Baubeginn ist im Herbst. Die Spendengelder-Suche ist noch nicht abgeschlossen.

«Alle Kinder, die unsere Spielgruppe, Kindergärten oder Schule besuchen möchten, sollen diese Chance auch erhalten. Deshalb soll der Neubau verwirklicht werden», sagt Erik Kuhnel. Zusammen mit Patrick Oehri von der Baugruppe Waldorfschule besichtigt er das bestehende Grundstück im Äscherle in Schaan, welches im Besitz des Vereins ist. Heute finden vier Klassen der weiterführenden Schulen der Waldorfschule in einem Gebäude Platz. Ein weiteres Gebäude besteht aus einem grossen Gruppenraum. Für die Werk- und Handarbeitsstunden wurden Baucontainer aufgestellt. «Diese sind allerdings baufällig», so Kuhnel. Nun sollen die Container einem Neubau weichen, mit dem vor allem das Platzangebot ausgebaut werden kann. Denn in der Waldorfschule ist es eng geworden. «Wir möchten keine Wartelisten», so Kuhnel. Ausserdem soll in Zukunft auch die Primarschule, welche sich momentan in einem eingemieteten Haus im Bretscha befindet, ebenfalls im Äscherle untergebracht werden. Denn im Primarschulgebäude ist der Platz ebenfalls sehr beschränkt. In manchen Klassenzimmern können nur 11 Schüler unterrichtet werden. Doch die Nachfrage ist mittlerweile um einiges grösser. Ausserdem könnten Synergien an einem Standort besser genutzt werden.

 

Schulklassen sollen vergrössert werden

Aus Kostengründen wird der Holzbau in drei Modulen mit jeweils zwei grossen Räumen geplant. In einer ersten Etappe werden die sechs neuen Räume wie folgt genutzt: Drei Klassenzimmer, ein Werkraum, eine Mensa und eine Küche. Der Bau soll durch Spendengelder finanziert werden, damit die Elternbeiträge nicht belastet und für den Schulbetrieb verwendet werden können. «Dank dem aktuellen Spendenstand von rund 300 000 Franken und einem für uns tragbaren Kredit können wir bereits zwei Module verwirklichen», sagt Kuhnel. Der Verein bemühe sich weiterhin um Spendenbeiträge, um das dritte Modul von nochmals 300 000 Franken zur selben Zeit bauen zu können. Das Ziel: Die Schulklassen sollen von 15 auf 20 bis 25 Schülern vergrössert werden können.

Die Waldorfschule arbeitet bereits an einem Bauantrag, der im März eingereicht werden soll. Der Spatenstich ist spätestens für Herbst geplant. «Der Bau soll im Sommer 2018 fertiggestellt sein», sagt Patrick Oehri. Doch nicht nur der Neubau gehört zur Zielsetzung, jedem Kind den Besuch der Schule zu ermöglichen. Auch soll keinem Schüler aus finanziellen Gründen der Schulbesuch verwehrt bleiben. Aus diesem Grund hat die Schule auf eine neue Beitragsregelung umgestellt. «Freie Schulwahl ist kein Privileg für Menschen mit hohem Einkommen mehr», sagt Patrick Oehri.

 

Eltern helfen aktiv in der Schule mit

Nach der alten Regelung betrug das Schulgeld für jede Familie zirka 1000 Franken, egal wie viele Kinder an der Schule waren. Heute wird der Elternbeitrag dem Einkommen der Eltern angepasst. Dieser beginnt bei 600 Franken und steigt mit dem Einkommen. «So werden die einkommensschwächeren Familien von den Mehrverdienern unterstützt», erklärt Erik Kuhnel. Für Familien mit sehr geringem Einkommen sind zusätzliche Stipendien möglich. Die ersten Erfahrungen mit der neuen Beitragsregelung seien durchwegs positiv.

Die Elternbeiträge werden vor allem für die Lehrerlöhne verwendet. Administrative und organisatorische Arbeit wird von den 160 Vereinsmitgliedern, sprich von den Eltern, Lehrern und ehemaligen Eltern, verrichtet. Sei es den Mittagstisch organisieren, die Schul- und Kindergartenhäuser reinigen oder Veranstaltungen wie den Waldorf-Bazar organisieren. «Eltern erleben die Schule intensiv. Sie sind ein Teil davon», sagt Oehri, dessen Tochter die Waldorfschule besucht. Während der Verein für die Finanzen, juristische Anliegen und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, führen die Lehrer die Schule und haben so eine grosse Eigenverantwortung. Jedes Jahr wechselt der Vorsitz der Lehrerschaft.

 

Eltern sollen Bildungsweg selbst wählen können

Die Waldorfschule ist seit 31 Jahren in Liechtenstein tätig. Heute besuchen insgesamt 104 Kinder aus Liechtenstein, der Schweiz und Vorarlberg die Kindergärten und Schulen der Waldorfschule. Steht der Neubau, kann die Schülerzahl auf 130 bis 150 Kinder ansteigen. «Das Bedürfnis für Alternativen zur Staatsschule ist eindeutig da», sagt Patrick Oehri. Die Waldorfschule soll das Bildungsangebot in Liechtenstein und dem Rheintal ergänzen. Das Schulsystem ist auf der Waldorfpädagogik von Rudolf Steiner aufgebaut. Kreatives Lernen und Erleben steht dabei im Mittelpunkt. Gelernt wird nach einem festen Stundenplan – viele Fächer werden aber nicht wöchentlich, sondern blockweise unterrichtet. Zum Beispiel wird drei bis vier Wochen lang jeden Tag von 8 bis 10 Uhr nur Mathematik unterrichtet. Diese Konzentration erlaube die Einbindung von kreativer Arbeit, ohne dass das Wissen zu kurz komme. «Für meine Tochter war dies ein Segen, als sie zur Waldorfschule wechselte. Ihr liegt dieses Lernen einfach besser», sagt Oehri.

Familien sollen entscheiden können, welchen Bildungsweg sie gehen wollen. «Das Bewusstsein für die verschiedenen Wege muss aber noch wachsen», sagt Erik Kuhnel und fügt an: «Wir würden uns freuen, wenn interessierte Politiker auf uns zukommen würden, um unsere Ideen anzuhören.» Der Lehrplan der Schule geht bereits heute bis zur Matura. Weil eine Oberstufe mit mehr Unterrichtseinheiten allerdings teurer als eine Mittelstufe ist, kann diese derzeit bei 10 bis 15 Kindern pro Klasse nicht finanziert werden. «Deswegen müssen wir nun erst den Raum für grössere Klassen bauen und dann daran arbeiten, dass jede Familie sich den Bildungsweg aussuchen kann, den sie sich für ihre Kinder wünscht.»

Das Interview führte Frau Manuela Schädler vom Liechtensteiner Vaterland.

Wir danken allen für das Gespräch!

Etappe 1

3 Würfel Module

  • Werkstatt + Lager
  • 3 Klassenzimmer
  • 1 Küche / Mensa

Etappe 1 im Detail

  • Holzbau in Modulen
  • Länge/Breite – 8/7m
  • Höhe 7 m
  • Zweigeschossige Bauweise
  • Grundfläche 68m2
  • Projektierungskosten im 1. Modul integriert
  • Komplett, einzugsfertig
  • Eigenleistung kann in Absprache mit Holzbau Frommelt übernommen werden